80 Prozent der Beschäftigten in Deutschland nutzen bereits KI-Tools im Beruf. Doch nur 21 Prozent fühlen sich ausreichend auf den Einsatz künstlicher Intelligenz vorbereitet. Führungskräfte beurteilen die KI-Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden deutlich positiver, zeigt eine aktuelle Skillsoft-Studie.
Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen längst Teil des Arbeitsalltags. Bei den KI-Kompetenzen im Unternehmen besteht jedoch erheblicher Nachholbedarf: Die Weiterbildung der Mitarbeitenden hält mit der Einführung neuer KI-Tools häufig nicht Schritt. Das zeigt der „Skillsoft Workforce Readiness Report: AI Edition“, für den 2.000 Beschäftigte, Managerinnen und Manager sowie Führungskräfte in Nordamerika, Großbritannien und Deutschland befragt wurden.
In Deutschland nutzen demnach 80 Prozent der Befragten KI-Tools bei der Arbeit. Nur 21 Prozent fühlen sich jedoch ausreichend mit den notwendigen Fähigkeiten ausgestattet, um künstliche Intelligenz effektiv einzusetzen. Unter den Führungskräften sind dagegen 73 Prozent der Ansicht, dass ihr Unternehmen die Mitarbeitenden erfolgreich auf die Nutzung von KI vorbereitet habe.
Zwischen der Einschätzung der Führungskräfte und jener der Beschäftigten liegt damit eine Differenz von 52 Prozentpunkten.
Warum KI-Kompetenzen im Unternehmen kaum systematisch erfasst werden
Die Ergebnisse der Skillsoft-Studie weisen auf mehrere strukturelle Probleme hin. So geben nur neun Prozent der Beschäftigten in Deutschland an, dass ihre Kompetenzen mithilfe formeller Bewertungen oder Benchmarks erfasst werden.
Vielen Unternehmen fehlt dadurch ein verlässlicher Überblick darüber, welche KI-Kompetenzen ihre Mitarbeitenden bereits besitzen und wo Weiterbildungsbedarf besteht. Ohne entsprechende Daten können Personalentwicklung und betriebliche Weiterbildung nur schwer an den tatsächlichen Anforderungen ausgerichtet werden.
Gleichzeitig sind sich 74 Prozent der deutschen Beschäftigten nicht vollständig darüber im Klaren, welche Fähigkeiten für ihre Arbeit künftig wichtig sein werden. Nur 20 Prozent stimmen uneingeschränkt der Aussage zu, dass ihre Stellenbeschreibung die tatsächliche tägliche Arbeit korrekt widerspiegelt.
KI-Weiterbildung beginnt häufig zu spät
Auch die Schulung der Mitarbeitenden ist vielfach nicht auf das Tempo der KI-Einführung abgestimmt. Lediglich 13 Prozent der Beschäftigten in Deutschland erhalten eine Weiterbildung, bevor sie mit einem neuen KI-Tool arbeiten sollen.
Selbst unter den Führungskräften liegt dieser Anteil hierzulande nur bei 14 Prozent. Viele Beschäftigte müssen den Umgang mit künstlicher Intelligenz daher offenbar während der laufenden Anwendung erlernen.
Als größtes Hindernis beim Aufbau neuer Kompetenzen nennen 62 Prozent der deutschen Beschäftigten fehlende Zeit. Damit wird deutlich, dass es in vielen Unternehmen zwar Lernangebote gibt, Weiterbildung im Arbeitsalltag aber nicht ausreichend priorisiert wird.
Unternehmen fehlen einheitliche Regeln für den Einsatz von KI
Nachholbedarf zeigt die Studie auch bei der KI-Governance. Lediglich sechs Prozent der Beschäftigten in Deutschland berichten von umfassenden unternehmensweiten Regeln für den Einsatz künstlicher Intelligenz.
14 Prozent geben an, dass ihr Unternehmen überhaupt keine entsprechenden KI-Richtlinien bereitstellt. Bei 38 Prozent unterscheiden sich die Vorgaben je nach Team oder Führungskraft.
Fehlende oder uneinheitliche Regeln können Unsicherheit erzeugen und zu unterschiedlichen Standards beim Umgang mit Daten, KI-generierten Ergebnissen und möglichen Risiken führen.
„Unternehmen können es sich nicht leisten, KI-Einführung mit KI-Readiness ihrer Belegschaft zu verwechseln“, sagt Ciara Harrington, Chief People Officer bei Skillsoft. „Wenn Führungskräfte und Mitarbeitende grundlegend verschiedene Ansichten über Bereitschaft haben, werden Ergebnisse im besten Fall inkonsistent und im schlimmsten Fall unzuverlässig. Um diese Lücke zu schließen, müssen Kompetenzen zunächst in der Unternehmensstrategie verankert und Systeme aufgebaut werden, die die vorhandenen Skills mit der sich verändernden Nachfrage in Einklang bringen. Zwar haben die meisten Unternehmen Prozesse für die Personalsuche, die Einarbeitung neuer Mitarbeitender und das Performance-Management, unsere Studie zeigt jedoch, dass viele nach wie vor Schwierigkeiten haben, die vorhandenen Kompetenzen zu ermitteln, die benötigten Kompetenzen aufzubauen und sie dort einzusetzen, wo der Bedarf am größten ist.“
Künstliche Intelligenz verändert klassische Einstiegspositionen
Die Befragten erwarten zudem, dass künstliche Intelligenz klassische Einstiegspositionen verändert. In Deutschland gehen 21 Prozent davon aus, dass deren Zahl durch den Einsatz von KI zurückgehen wird.
35 Prozent der Beschäftigten und Führungskräfte rechnen damit, dass Problemlösung und Zusammenarbeit künftig stärker in den Mittelpunkt rücken. 36 Prozent erwarten zugleich, dass KI schnellere berufliche Aufstiege ermöglichen könnte.
Die Ergebnisse zeigen, dass die erfolgreiche Einführung künstlicher Intelligenz nicht allein eine technische Aufgabe ist. Entscheidend wird sein, ob Unternehmen die vorhandenen Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden kennen, KI-Weiterbildung frühzeitig ermöglichen und einheitliche Regeln für den Einsatz der Technologie schaffen.
Über die Skillsoft-Studie
Die Befragung für den „Skillsoft Workforce Readiness Report: AI Edition“ wurde im März und April 2026 vom unabhängigen Marktforschungsunternehmen Pollfish durchgeführt. Teilgenommen haben 2.000 Vollzeitbeschäftigte, Managerinnen und Manager sowie Führungskräfte aus verschiedenen Branchen in Nordamerika, Großbritannien und Deutschland.