Wie Lernen im Arbeitsalltag gelingt

Lernen-am-Arbeitsplatz-1100

Lernen findet im Job oft zu wenig Raum. Was hilft, damit Weiterbildung nicht an Zeitdruck und Routinen scheitert. Ein Gastartikel von Simone Engelhard, Geschäftsführerin der Lernagentur [lernglust]. Ihre Schwerpunkte sind „(Digitales) Lernen im Unternehmen“ und „Personalentwicklung in Zeiten von KI“.

Lernen und Entwicklung sind gewollt: von Unternehmen, von Führungskräften, von Mitarbeitenden selbst. Und dennoch bleibt das Lernen im Arbeitsalltag erstaunlich oft auf der Strecke. Der Working-Learning-Gap entsteht. Das Tückische daran: Der Gap kann zu einem sich selbst verstärkenden Kreislauf werden. Wer dauerhaft unter Zeitdruck steht, schiebt Lernen auf. Wer Lernen aufschiebt, verliert den Anschluss. Wer den Anschluss verliert, empfindet Lernen zunehmend als Überforderung statt als Chance. Am Ende wirkt Lernen erschöpfend und anstrengend.

Lernen im Arbeitsalltag: Motivation entsteht nicht durch Pflicht

(Lern-)Relevanz allein reicht nicht. Menschen lernen nachhaltig, wenn sie Selbstbestimmung erleben, also selbst entscheiden können, wann, wie, mit wem und in welchem Tempo sie sich Wissen aneignen.

Tipp 1: Schauen Sie sich das letzte Weiterbildungsformat an, das Ihr Team genutzt hat. Hat es in den Alltag gepasst? Wenn die ehrliche Antwort Nein ist, lohnt es sich, das Format zu hinterfragen, bevor das nächste Programm startet.

Klein, regelmäßig, alltagstauglich

10 bis 15 Minuten täglich bringen mehr als groß angelegte Weiterbildungskampagnen. Microlearning, kurze Peer-Exchanges oder bewusste Lernpausen im Tagesablauf sind Formate, die sich in bestehende Routinen einfügen. Sie senken die Einstiegshürde und erzeugen über Zeit eine echte Lerngewohnheit.

Tipp 2: Probieren Sie das „Lernminuten-Prinzip“: Reservieren Sie drei Mal pro Woche 15 Minuten im Kalender nur für Lernen. Kein Meeting, kein Abarbeiten, kein „Noch schnell erledigen“.

Lernkultur ist Führungsaufgabe

Lernen braucht organisationale Ermöglichung: Führungskräfte, die Lernzeit im Alltag explizit schützen und selbst als Vorbild agieren. Teamstrukturen, in denen Wissen geteilt wird. Und eine Unternehmenskultur, die Neugier belohnt und nicht nur Effizienz. Wo Lernen als Störfaktor gilt, wird es verdrängt. Wo es als selbstverständlicher Bestandteil von Arbeit verstanden wird, passiert es fast automatisch.

Tipp 3: Starten Sie in Ihrem Team eine einfache Routine: Jede Person teilt einmal im Monat in zwei Minuten, was sie zuletzt gelernt hat. Dies signalisiert: Lernen gehört dazu.

Den Gap zu schließen ist möglich. Aber nicht mit mehr Lernangeboten. Sondern mit realistischeren Rahmenbedingungen, alltagstauglicheren Formaten und einer Haltung, die Lernen als Teil unserer täglichen Arbeit begreift. 

Hinweis: Auf der LEARNTEC, vom vom 05. bis 07. Mai 2026 in Karlsruhe, erleben Sie, wie digitale Lösungen und Künstliche Intelligenz die Aus- und Weiterbildung auf ein neues Level heben können. In einer Arbeitswelt, in der Aufgabenprofile immer spezialisierter werden und individuelle Anforderungen zunehmen, braucht es neue Wege des Lernens.

Mehr über die LEARNTEC 2026 und den LEARNTEC-Kongress lesen Sie im BILDUNGaktuell-Themenspecial.