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Warum Wissen die Währung der Zukunft ist

Money makes the world go round? Nicht unbedingt! Egal ob BitCoins, Tauschbörsen oder Sharing-Plattformen: Geld als primäres Zahlungsmittel hat langsam, aber sicher ausgedient. Der Austausch von Erfahrungen, Know-How oder auch Produkten ganz ohne finanzielle Gegenleistung wird im Zuge der Sharing Economy immer populärer. Mit diesem Tauschmittel hat sich nicht nur ein ganz eigener Wirtschaftszweig entwickelt; es ist so alt wie die Menschheit selbst: das Wissen. Welcher Mehrwert im Austausch von Wissen für Organisationen und Unternehmen steckt, erklärt Dr. Markus Nini, langjähriger Organisationsberater und Gründer von ckju.net, der moderierten Kollaborationsplattform für Team Consulting und Learning.

Wissen: Ein Wert mit Kopierschutz

Wissen als einen exakten ökonomischen Wert zu erfassen, ist faktisch nicht möglich: Es gibt keine Umrechnungstabellen oder Formeln. Ein möglicher Richtwert könnte aber einerseits die Ersparnis von Zeit, materiellen und personellen Ressourcen sein, der durch effektives Wissensmanagement erreicht wird. Andererseits gibt auch der Preis, der für die Weitergabe von Wissen verlangt oder als Wettbewerbsvorteil verstanden wird, Auskunft über den „Geldwert“ von Kenntnissen und Know-How. Dieser Wert ist im Laufe des 21. Jahrhundert immer weiter gestiegen. Im Gegensatz zu anderen Tauschmitteln kann Wissen jedoch nicht einfach angeeignet oder, vor allem in Unternehmen, nicht blind übertragen werden, da es nur in einem gewissen Kontext einen wirklichen Sinn ergibt. Wissen beinhaltet sozusagen eine Art Kopierschutz, der sich in Form von Kultur, Qualifikation und Erfahrung der Mitarbeiter auszeichnet. Wissenstausch erfordert somit, dass Wissen verstanden, übersetzt und kontextualisiert wird, da es ansonsten nicht anschlussfähig und somit wertlos ist. Es kann als Vernetzung von Informationen verstanden werden, welche ihre Träger zu gezielten Handlungen befähigt. Durch die Digitalisierung steigt einerseits die Bereitstellung von Informationen, welche so an Wert verlieren, andererseits erhöht sich dadurch die Bedeutung von Kontextwissen.

Gib weiter, was du weißt – und werde dadurch schlauer

(Aus-)Tauschplattformen liegen momentan voll im Trend: ob klassische eLearning-Plattformen, wie iversity, Onlinebildungseinrichtungen, wie die Kiron University, Talenttauschbörsen, wie das New Yorker Skillshare.com oder moderierte Kollaborationsplattformen, wie ckju.net. Sie alle haben eins gemeinsam: Ausgetauscht werden nicht Waren oder Produkte gegen Geld, sondern Fähigkeiten, Talente, Know-How und Bildung. Anders als bei Vorträgen oder in Foren, erfolgt die Wissensvermittlung hier meist nicht frontal, sondern ist durch einen beidseitigen und gemeinschaftlichen Wissensaustausch gekennzeichnet. Auch Unternehmen und Organisationen profitieren von den Möglichkeiten eines unternehmensinternen und -externen Wissensaustauschs. Bereits 2008 zeigte die Metastudie des Rotterdamer Managementprofessors Raymond van Wijk, dass Wissenstransfers die Lernfähigkeit und das Innovationspotential von Unternehmen und Organisationen sichern und damit zur Wettbewerbs- und Überlebensfähigkeit beitragen.

Eine gute Idee ist besser als jedes Startkapital

Dass Wissen als Ressource immer bedeutender wird, während klassische physische und materielle Produktionsfaktoren hingegen an Relevanz verlieren, lässt sich auch anhand eines Phänomen unser heutigen Zeit vermuten: Immer häufiger ist zu beobachten, dass junge Startups mit wenigen Mitarbeitern und geringem Kapitalvermögen weltweit aktiv sind und teilweise an der Börse höher bewertet werden als alteingesessene Unternehmen. Dabei ist nicht selten alles, was diese neuen Unternehmen an Startkapital vorweisen können, eine gute Idee, die sowohl Mitarbeiter als auch potentielle Kunden überzeugt. Ein weiterer Indikator für die wachsende Bedeutung von Wissen und dessen Austausch ist das steigende Angebot an Open-Innovationmethoden und Crowdsourcingplattformen, in denen eine Gruppe freiwilliger User gemeinsam Projekte entwickelt und neue Ideen für Unternehmen entwickeln – und hohe Preisgelder dafür bekommen.

Wissensaustausch als Erfolgsrezept

Was mit Lean Management und agilen Methoden ursprünglich in der Softwareindustrie begonnen hat, kommt nun immer mehr sowohl in Unternehmens-, Produktions-, als auch in Lernprozessen zum Einsatz: Flexible und agile Methoden, die kollaborativ arbeiten und unmittelbar auf veränderte Anforderungen reagieren können, werden immer gefragter. Mit gutem Beispiel gehen die Kommunen in Kanada voran: Im Municipal Benchmarking Network Canada tauschen sich 37 Kommunen mit Wissen und Erfahrungen regelmäßig untereinander aus. Anstatt sich nur aus der Perspektive des Wettbewerbers zu sehen, bieten Think Tanks, branchenübergreifende Arbeitskreise und kooperative Benchmarkingprojekte zwischen und innerhalb von Unternehmen, wie sie etwa der Verband der Automobilindustrie eingerichtet hat, Möglichkeiten des Austauschs, der Vernetzung und Generierung von Wissen. Ähnlich arbeitet das Knowledge-Portal ShareNet im Vertrieb von Siemens ICN. Zentrales Ziel des Portals ist, die Wiederverwendung von bereits geschaffenem, unternehmensinternen Wissen zu erhöhen und somit zu verhindern, dass mehrfach gleiches Wissen entwickelt wird.

Fazit

Das reine Informationszeitalter hat sich zu einer „Knowledge Sharing“-Ära weiterentwickelt. Wurde früher vor allem nach Antworten und Informationen zu bestimmten Fragen gesucht oder sich in Netzwerken ausgetauscht, geht es heute mehr und mehr um die gemeinsame Entwicklung, den Austausch und die Vernetzung von Wissen. Aktuelle Methoden können identifiziert, Innovationsprozesse durch Input von außen angereichert und Arbeitsprozesse kollaborativ und ortsunabhängig durchgeführt werden. Für Unternehmen bieten Knowlegde-Sharing-Plattformen Chancen, Know-How schneller, agiler und flexibler auszutauschen und so ihre Lernfähigkeit und ihr Innovationspotential weiterzuentwickeln. Wer in Zukunft effizienter und schneller lernt, wird gewinnen.