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PIAAC Report: Höhere Bildung bedeutet nicht höhere Kompetenz

Der Umgang mit neuen Technologien ist heute eine Schlüsselkompetenz. Je älter die Person, desto geringer ist ihr Kompetenzniveau in diesem Bereich – das Geschlecht hat darauf hingegen keinen Einfluss. Und: gebildeter heißt nicht automatisch kompetenter. Das fanden ForscherInnen am Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien (IMB) der Donau-Universität Krems bei einer Expert-Analyse der Daten der PIAAC-Studie heraus. Der vollständige Bericht, der in Zusammenarbeit mit der Statistik Austria entstand, ist nun online verfügbar.

In der internationalen Vergleichsstudie PISA (Programme for International Student Assessment) werden grundlegende Kompetenzen von Schülern und Schülerinnen erfasst und länderweise gegenübergestellt. Ein ähnliches Konzept verfolgt die OECD mit PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) – Zielgruppe sind hier allerdings Erwachsenen im Alter von 16 bis 65 Jahren. Zwischen Sommer 2011 und Frühjahr 2012 wurden in 24 teilnehmenden Ländern jeweils 5.000 Personen auf drei Kompetenzbereiche getestet: Lesekompetenz, Alltagsmathematik und technologiebasiertes Problemlösen.

PIAAC bietet Datenbasis für politische Entscheidungen

Die PIAAC-Erhebung ermöglicht Aussagen über die grundlegenden Fertigkeiten und Fähigkeiten Erwachsener in Österreich und wie sie diese im beruflichen und privaten Alltag nutzen können. Erstmalig kann auf einer umfassenden empirischen Grundlage beantwortet werden, wie die Bevölkerung auf die Anforderungen der modernen Wirtschaft und neuer Technologien vorbereitet ist. Die Ergebnisse bilden eine Grundlage für viele Entscheidungen in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik, wie etwa die Verbesserung von Ausbildungsprogrammen für Erwachsene.

Vertiefende Analyse der österreichischen Daten

Seit Oktober 2013 arbeiteten Forscherinnen und Forscher aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zusammen mit dem PIAAC-Team der Statistik Austria an vertiefenden Analysen, die nun im Rahmen eines Berichts präsentiert wurden. Auch ein Team des Departments für Interaktive Medien und Bildungstechnologien untersuchte zusammen mit em. Prof. Dr. Christian Tarnai von der Universität München einen Teilaspekt der österreichischen Ergebnisse. Im Fokus stand dabei die Untersuchung der spezifischen technologiebasierten Lösungskompetenz am Arbeitsplatz und Privatbereich entlang ihrer Kontexte zu Bildung, Alter, und Geschlecht. Der Bericht wurde jetzt online veröffentlicht.

Höhere Bildung heißt nicht höhere Kompetenz

Die Analyse des IMB zeigt, dass das Alter und die Häufigkeit der Computernutzung im Beruf und/oder in der Freizeit die wichtigsten Merkmale für die Erklärung der Unterschiede bei der Problemlösekompetenz im Kontext neuer Technologien darstellen. Demgegenüber ist das Geschlecht für die Erklärung von deutlich geringerer Bedeutung. Überraschend ist die Erkenntnis, dass der höchste erreichte Bildungsabschluss nicht mit einer sehr hohen technologiebasierten Problemlösekompetenz verbunden ist. In der Altersgruppe 25 bis 54 Jahre haben Personen mit Matura als höchstem Bildungsabschluss mindestens gleich gute Testergebnisse wie Personen mit Universitätsabschlüssen. Außerdem schneiden Frauen mit Matura in diesen Altersgruppen teilweise besser ab als Männer mit dem gleichen Bildungsabschluss.