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Positiv denken: Die Macht der Gedanken

Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen, sagt die WHO seit 1948. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Gemeinsam haben Wohlbefinden und Gesundheit, dass wir sie alle gerne haben, doch möglichst wenig dafür tun wollen. Und ist es nicht ähnlich mit dem Positiven Denken? Irgendwie wissen wir schon, dass es etwas bringt. Doch Zeit zur Reflexion darüber, wie und was wir denken und was dies für Konsequenzen hat, nehmen wir uns kaum. Höchstens dann, wenn etwas nicht so läuft, wie wir uns das wünschen.

Besser wäre, sich regelmäßig mit dem eigenen Denken zu befassen und zu prüfen, ob Sie so leben, wie Sie sich das wünschen. Denn unser Denken und Fühlen beeinflussen unsere Wahrnehmung nicht nur im Sinne der Lenkung der Aufmerksamkeit, sondern greifen direkt in den Wahrnehmungsprozess ein. Geht es uns schlecht, haben wir den „Tunnelblick“ und fokussieren uns auf noch mehr Schlechtes. Geht es uns gut, haben wir eine weite Perspektive, können aus Möglichkeiten und Lösungen wählen.

Wenn es uns gut geht, haben wir etwas zum Abgeben, so profitieren alle davon. Die Umstände, unter denen wir leben, sind so gut wie nie zuvor und wie kaum sonst irgendwo auf der Welt. Sie öfter in unser Bewusstsein zu bringen ist ebenso sinnvoll wie nützlich. Denn zum Glück gehören drei Bausteine: Prozesse unseres Denkstils, die meist unbewusst sind; Lebensbedingungen wie das Einkommen, die Umwelt o. ä., die wir nur bedingt beeinflussen können und Entscheidungen und zwar in dem Sinn, welchen Ereignissen wir unsere Aufmerksamkeit schenken. Das heißt, wie lange wir worüber nachdenken und auf welche Art. Hier liegt unser größter Spielraum. Lebensfroh wird künftig, wer sich entscheiden kann, weil er weiß, was ihm persönlich gut tut. Und wer gut leben will, muss gut denken und handeln und dies gelingt am besten, wenn wir uns wohl fühlen.

Testen Sie Ihre Denkgewohnheiten

  • Denken Sie bei der Arbeit an private Probleme und zu Hause an die Arbeit?
  • Wären Sie gerne optimistisch, scheitern aber an den schlechten Erfahrungen?
  • Denken Sie manchmal, dass Ihre Mitmenschen Sie ärgern wollen?
  • Versuchen Sie immer wieder, negative Gedanken und Erlebnisse zu unterdrücken?
  • Ärgern Sie sich über sich, wenn Sie nicht tun, was Sie sich vorgenommen haben?
  • Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Körper, Fitness, Beziehung oder Karriere?

Falls Ihnen solche Gedanken bekannt vorkommen, haben Sie den ersten Schritt getan. Nämlich, sie zu entdecken. Nun können Sie entscheiden, ob sie Ihnen gut tun und falls nicht, ob sie dies ändern wollen. Vielleicht zunächst erst einmal dadurch, dass Sie sie seltener und kürzer denken und ihren Fokus verschieben

Positiv denken: So profitieren Sie davon

Positiv denken fördert die Resilienz, die Fähigkeit, die Schwierigkeiten des Lebens zu meistern. Wer gut drauf ist, hat den besseren Überblick, das bessere Problemlöseverhalten und ist weniger schnell aus der Balance zu bringen. Das Genießen eines Erfolges oder eines schönen Ereignisses bringt Optimismus, künftig Ähnliches zu erleben. Der Genuss ist umso intensiver, je mehr Zeit wir uns nehmen, im Genuss schwelgen und dankbar dafür sind.

Enthusiastische, positive Menschen sind aufgrund der Aktivitäten im linken präfrontalen Kortex neugierig und energievoll und können sich an den kleinen Dingen des Alltags mehr freuen. Ist der rechte präfrontale Kortex aktiv, sind wir nervös, gestresst, ängstlich. Je häufiger Sie gute Gedanken haben, angenehme Dinge tun, sich entspannen oder meditieren, umso mehr trainieren Sie die linke Seite.

Positives, ressourcenorientiertes Denken stärkt gleichzeitig das Immunsystem. Einer Untersuchung an Studenten zufolge erkranken Optimisten auch in stressigen Prüfungsphasen weniger leicht an Erkältungen, wie die Techniker Krankenkasse ermittelte.

Positive Zustände ermöglichen uns, zu wachsen. Menschen, denen es gut geht, sehen, nutzen und erweitern ihre psychischen Ressourcen und sind dadurch nicht nur kreativer, motivierter und energievoller, sondern auch hilfsbereiter und sozial engagiert. So entsteht ein sich selbst verstärkender positiver Kreislauf für uns und andere.

Die drei Fallen des guten Denkens

Träumen ohne zu Handeln

Gabriele Oettingen hat in ihrer Forschung nachgewiesen, dass das ausschließliche Schwelgen in Zukunftsphantasien dazu führen kann, dass wir nicht handeln. Neben dem Formulieren von Wünschen und Zielen geht es also auch darum, die Wege zum Ziel und die dafür notwendigen Handlungen zu überdenken.

Übersehen von Gefahren

Optimisten sind bekannt dafür, dass sie sich manchmal zu wenige Gedanken machen zum Beispiel um ihre Gesundheit und dann Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrnehmen. Oder dass sie die Risiken für Entscheidungen nicht nüchtern genug abwägen. Falls Sie dazu neigen, in diesem Sinne übermütig zu sein, suchen Sie sich passende Menschen an Ihrer Seite, die das ausgleichen.

Unterdrücken von negativen Gefühlen

Positives Denken heißt nicht, negative Gefühle oder Tatsachen zu ignorieren oder sich schön zu reden. Das Unterdrücken von negativen Erfahrungen und damit verbundener Gefühle kann sogar krank machen. Sie sind ein wichtiger Hinweis, dass etwas für uns nicht stimmig oder nicht verarbeitet ist. Es gibt heute schnelle und unkomplizierte Wege für Hilfe, zum Beispiel die Schreibtechnik nach Pennebaker. Dabei wird über das belastende Erlebnis an vier aufeinander folgenden Tagen je 20 Minuten (Wecker stellen) detailliert geschrieben.

Positives Denken heißt für mich realistisch, authentisch und konsequent das Beste aus dem zu machen, was ist. Dies sind mögliche Wege. Wählen Sie aus, was zu Ihnen passt.

  1. Überdenken Sie Ihren Glücksanspruch. Glückliches Denken ist eine bewusste Anstrengung, das Gute zu sehen, die Augen für das Gute im Leben zu öffnen. Denn ob wir hin- oder wegschauen, abwerten oder genießen ist unsere Entscheidung.
  2. Achten Sie auf Glück und Wohlbefinden. Die Verstärkung von Glück durch die Beschäftigung mit Glück wies Kai Ludwigs mit seiner Happiness Research Organisation (www.happiness-research.org) nach. Wer mehrmals am Tag gefragt wird, was er tut und wie er sich dabei fühlt und noch einen kleinen Tagesrückblick hält, schenkt seinem Glücksempfinden besondere Aufmerksamkeit. Emotionale Zustände werden dadurch bewusster, wir gehen achtsamer mit uns um. Was bewusst ist, kann eingeordnet und außerdem besser beeinflusst werden. Falls Sie das selbst ausprobieren wollen geht das hier: www.happiness-kurs.com oder beim Happiness-Atlas, der das Wohlbefinden in verschiedenen Städten untersucht www.happiness-atlas.com.
  3. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, gut zu denken. In Studien zur Wirkung von Trainings des Wohlbefindens, gab es zwei Komponenten für ein gute Wirkung: sich bewusst dafür zu entscheiden, also die Höhe der Motivation. Außerdem das Dranbleiben. Von Violinisten und Schachspielern ist bekannt, dass außergewöhnlich gute in der Regel 10 Jahre bzw. 10.000 Stunden Übung dafür benötigt haben. Bei Spitzenleistungen gibt es keine Naturtalente ohne Übung und keine tüchtigen Unbegabten.
  4. Nutzen Sie die Formel 3:1. Prof. Barbara Fredrickson hat die Formel gefunden in welchem Verhältnis positive zu negativen Momente stehen müssen, damit Menschen langfristig gesund, Teams erfolgreich und Paare glücklich sind: 3:1 von Positivem zu Negativem. Auf einmal ärgern darf sozusagen dreimal freuen kommen. Das ist viel leichter, als es scheint. Denn wir übersehen die guten Dinge.
  5. Verbessern Sie Ihre Sprache. Der amerikanische Begründer der Positiven Psychologie Martin Seligmann hat 80 Millionen Tweets und Nachrichten bei Facebook bezüglich der verwendeten Worte ausgewertet. Es zeigte sich, dass die besonders häufige Verwendung von Worten wie „fucked“ „hate“ (hassen) „bored“ (gelangweilt) das Auftreten einer Herzkreislauferkrankung besser vorhersagt, als die Auswertung der medizinischen Risikofaktoren. Es gab auch Worte, die mit einem geringen Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen verbunden waren wie „ thanks“ (Danke) „great“ (toll), „interesting“, „love“. Achten Sie auf Ihre Gedanken, sie wirken.
  6. Zählen Sie die guten Dinge des Tages. Menschen, die gut drauf sind, haben glücklichere Erinnerungen. Zählt man eine Woche lang angenehme Dinge des Tages zusammen, fühlt man sich danach noch glücklicher und dankbarer. Und das wiederum erleichtert das Erleben angenehmer Dinge.
  7. Üben Sie sich im Tagträumen. Ute Eberle verfolgte Experimente zum Training von Optimismus und konnte zeigen, dass 5 Minuten Tagträumen mit guten Gedanken zu mehr Optimismus führt. Man geht gelassener mit Stress um, sorgt sich weniger und ist kreativer.
  8. Sehen Sie Ihre Möglichkeiten. Ein internationales Forscherteam um Livia Thomas konnte nachweisen, dass die selbst wahrgenommenen Stressbewältigungsfertigkeiten nicht nur vor hormonellen Stressreaktionen schützen, sondern sogar vor neuronalen. Im MRT zeigten sie, dass Menschen mit hohen wahrgenommenen Stressbewältigungsfertigkeiten in Stresssituationen bereits auf Gehirnebene weniger Stress erleben.

Über die Autorin: Dr. Ilona Bürgel ist Expertin für Leistung und Wohlbefinden. Soeben erschien ihr Buch „Sieben Tage für mein Wohlfühlglück“ bei Kreuz. Sie zeigt, wie wir in der anspruchsvollen Arbeitswelt von heute selbst besser für uns sorgen können. Die Diplom-Psychologin ist nach 15 Jahren Managementerfahrung in der freien Wirtschaft seit 2005 als Referentin und Autorin tätig. Sie wurde als Vorbildunternehmerin des Ministeriums für Wirtschaft und Energie ausgezeichnet und lebt und arbeitet in Dresden und Aarhus (DK). Mehr Infos unter www.ilonabuergel.de