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Mehr Bildung, mehr Wohlstand: Frühkindliche Förderung lohnt sich für alle

  • Frühkindliche Förderung spart später Sozialleistungen und Umschulungsmaßnahmen auf dem Arbeitsmarkt.

Der Wohlstand einer Gesellschaft hängt ganz maßgeblich davon ab, wie hoch die Qualität der frühkindlichen Bildung und Förderung ist. Staaten, die in ihre jüngsten Bürger investieren, ersparen sich später ein Vielfaches dieser Investitionen in Sozialleistungen und Umschulungsmaßnahmen auf dem Arbeitsmarkt. Das sind zwei Kernbotschaften des österreichischen Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Ernst Fehr, der an der Universität Zürich forscht und lehrt und einer der meistzitierten Ökonomen der Welt ist. Auf Einladung der Zürcher Kantonalbank Österreich AG gab der Wissenschaftler kürzlich bei einem Vortrag in der Schweizer Botschaft in Wien interessante Einblicke in seine Erkenntnisse.

Prof. Dr. Ernst Fehr macht deutlich, dass frühkindliche Bildung ganz massiven Einfluss auf den Wohlstand einer Gesellschaft hat. Spricht Fehr von Bildung, unterscheidet er kognitive und nicht-kognitive Fähigkeiten. Kognitive Fähigkeiten beziehen sich auf die Intelligenz, unter nicht-kognitiven Fähigkeiten fasst Fehr selbstregulatorische oder motivatorische Fähigkeiten zusammen. Damit sind Charaktereigenschaften wie Geduld, Durchhaltevermögen oder Kooperationsbereitschaft gemeint. Beide Bereiche sind ganz zentral für den Wohlstand einer Volkswirtschaft.

Frühkindliche Förderung kann Einkommensunterschiede ändern

Denn je größer die kognitiven Fähigkeiten der 10- bis 15-Jährigen in einem Land sind, desto größer ist das Wirtschaftswachstum, erläutert Fehr. Die Schule hat dann einen positiven Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten der Kinder, wenn der Unterricht qualitativ hochwertig ist. Die Anzahl der Schuljahre hat hingegen keinen Einfluss, entscheidend ist, ob Kinder in der Schule die entscheidenden Fähigkeiten erwerben. Unterschiede bei den kognitiven Fähigkeiten der Kinder haben Auswirkungen auf die soziale Gerechtigkeit im späteren Leben, so Fehr. „Will man etwas an der Ungleichheit der Einkommen ändern, sollte man die Ungleichheit der kognitiven Fähigkeiten ändern“, lautet der Ansatz von Fehr, um für mehr Chancengleichheit zu sorgen. Es ist daher wichtig, für hohe Standards an allen Bildungseinrichtungen zu sorgen. „Denn wenn die Qualität des öffentlichen Schulsystems nicht passt, werden jene, die es sich leisten können, ins private Schulsystem wechseln. Das schafft erst recht Ungleichheit“, sagt Fehr. Die höchsten potenziellen Wohlfahrtsgewinne ortet der Professor in den USA, weil die Unterschiede dort besonders groß seien. Doch auch Österreich und die Schweiz könnten aus seiner Sicht gewaltig profitieren.

Frühkindliche Förderung lohnt sich für alle

v. l.: Christoph Weber (Vorsitzender des Aufsichtsrates Zürcher Kantonalbank Österreich AG), Silvia Richter (Direktorin Private Banking, Leitung Zürcher Kantonalbank Österreich AG Wien), Univ. Prof. Dr. Ernst Fehr (Professor für Verhaltensökonomie und experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich), Lucien J. Berlinger (Vorsitzender des Vorstandes Zürcher Kantonalbank Österreich AG)

Höherer Verdienst dank motivatorischer Fähigkeiten

Neben der kognitiven Stimulierung ist auch die emotionale Zuwendung, die man im Frühkindalter erfährt, ganz wesentlich. Erhält man als Kleinkind Bilderbücher oder werden einem Geschichten vorgelesen, wirkt sich das positiv aus. Doch nicht in allen Familien ist das gelebte Praxis. „Bereits im Alter von drei Jahren haben wir eine Ungleichheit, die nicht mehr weggeht“, alarmiert Fehr. Hier entsteht ein Teufelskreis, da Eltern etwas, das sie nicht wissen oder nicht selbst erfahren haben, auch nicht weitergeben können. Niedrige Schulbildung und niedrige Einkommen werden aber sehr wohl an die nächste Generation weitergegeben. Allerdings kann man Defizite aus der frühkindlichen Betreuung kompensieren. Bei einer Untersuchung wurden drei- bis fünfjährige Kinder mit einem IQ von 85 in zwei Gruppen geteilt. Eine Gruppe erhielt eine qualitativ hochwertige Betreuung, die andere nicht. Im Alter von 35 Jahren haben diejenigen, welche diese Betreuung hatten, besser verdient und waren weniger straffällig geworden. „Für jeden investierten Dollar bekam die Gesellschaft sieben Dollar zurück, die Personen fielen dem Sozialstaat weniger zur Last“, berichtet Fehr. Wer Kooperationsbereitschaft und Durchhaltevermögen hat, verdient am Ende besser als Personen, die in diesen motivatorischen Bereichen Defizite aufweisen. Fehr glaubt, dass in vielen Staaten die Förderungen an der falschen Stelle eingesetzt werden, auch in Österreich. „Hierzulande werden pro Jahr 1,8 Milliarden Euro in Umschulungs- und Qualifizierungsprogramme gesteckt. Würde man dieses Geld in frühkindliche Ausbildung und Erziehung investieren, wäre die Gesellschaft langfristig produktiver und sozial gerechter“, so Fehr.

Zürcher Kantonalbank Österreich AG lebt soziale Verantwortung

„Die Wettbewerbsfähigkeit in Österreich ist eigentlich rückläufig, der Wohlstand ist noch gegeben. Es stellt sich aber die Frage, wie lange noch und vor allem, welchen Beitrag können wir leisten, um Wohlstand zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erhöhen“, reflektiert Lucien Berlinger, Vorstandsvorsitzender der Zürcher Kantonalbank Österreich AG. Die Schweizer Mutter der österreichischen Privatbank, die Zürcher Kantonalbank, engagiert sich mit Sponsoring und Wissensvermittlung sehr stark im Bereich Bildung und leistet so einen wesentlichen Beitrag im Wirtschaftsraum Zürich. Und auch die Zürcher Kantonalbank Österreich AG setzt hierzulande viele Initiativen. „Sowohl bei der Kunsthilfe Salzburg und bei der Paracelsus Medizinische Privatuniversität als auch durch unsere Veranstaltungsreihe ‚Young ART Lounge’ versuchen wir, die junge Generation wo es uns möglich ist finanziell und mit unserem Netzwerk zu unterstützen und so einen Beitrag zu leisten, um jungen Menschen Karriere zu ermöglichen“, so Berlinger.