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Zeitmanagement: Ich habe keine Zeit!

Ein Gast-Kommentar von Mag. Regina Swoboda. Sie ist diplomierte Mentaltrainerin und Burnout-Prophylaxe-Trainerin. Mag. Regina Swoboda leitet das Institut „mental erleben” und bildet Mental-Trainer und -Coaches aus.

Warum sinnvolles Zeitmanagement ohne die richtige Einstellung nicht funktioniert

Kennen Sie das? Sie haben mindestens schon ein Seminar oder ein Buch zum Thema Zeitmanagement konsumiert, und Sie wissen auch, dass Erholung die Gießkanne für Ihre Leistungsfähigkeit ist, und trotzdem scheitern Sie an der konsequenten Umsetzung? In der heutigen Zeit erleben wir ein Paradoxon: Wir haben eigentlich die besten mobilen und digitalen Hilfsmittel, um Zeit einzusparen und trotzdem ist einer der meist gehörten Sätze unseres Alltags: „Ich habe keine Zeit!“.

Glauben Sie mir, Sie sind nicht allein. Wenn ich mit KlientInnen im Coaching arbeite, dann höre ich diesen Satz sehr häufig. Wir sagen diesen Satz sehr schnell, ohne zu überlegen, was denn da eigentlich dahintersteckt.

Denn, Fakt ist, dass wir heute mehr frei verfügbare Zeit haben denn je zuvor. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es noch eine 6 Tage Arbeitswoche und die durchschnittliche Freizeit pro Tag belief sich auf 1,4h. Heute liegen wir bei über 5 Stunden Freizeit pro Tag. Doch wer meint, dass dies die Zufriedenheit gesteigert hat, liegt falsch. Laut einem Linzer Meinungsforschungsinstitut ist nur jeder Dritte ist mit der vorhandenen Freizeit glücklich. 39 Prozent der Berufstätigen wünschen sich etwas mehr davon, 27 Prozent wollen sogar eine massive Ausweitung. Woran mag das liegen?

Nun ja, man könnte ja meinen, dass die Zeit nie genug ist. Oder ist es möglicherweise gar nicht das Ausmaß an verfügbarer Zeit, sondern die Art und Weise der Nutzung?

Wenn wir sagen, wir haben keine Zeit für Sport oder für eine ausgewogene Ernährung, weil gerade so viel in der Arbeit los ist, dann meinen wir eigentlich: „In diesem Moment ist mir die Arbeit wichtiger als mein Körper und meine Gesundheit.“ Die Aussage „keine Zeit“ lässt nicht unbedingt gleich auf Zeitmangel schließen. Vielmehr sagt sie aus, was uns in diesem Moment wirklich wichtig ist, wo wir unsere Prioritäten setzen. Denn jeder Mensch nimmt sich Zeit dafür, was ihm wichtig ist.

Zumindest in der Theorie. Ein Ansatz des Mentaltraining ist, dass wir durchaus auch vorgelebte Rollenbilder, gelernte Glaubenssätze und Verhaltensweisen übernehmen. D.h. haben wir z.B. von Kind auf gelernt „zuerst die Arbeit dann das Vergnügen“, dann werden wir uns nach diesen Glaubenssätzen verhalten. Es muss also nicht unbedingt eine Überzeugung sein, die wir uns selbst ausgedacht haben.

Zeitmanagement: Das optimale Mindset

Unser Gehirn funktioniert wie ein Automat: Wenn wir uns etwas angewöhnt haben, das stark verankert ist, dann spulen wir diese Verhaltensweisen ganz automatisch wieder und immer wieder ab. Um also eine neue Verhaltensweise zu trainieren, brauchen wir eine neue Sichtweise, eine förderliche Einstellung – um so einen neuen Weg leichter einschlagen zu können. Heute gibt es dafür einen schönen Anglizismus: das optimale Mind Set, oder auch mentale Resilienz genannt.

Fragen Sie sich einfach mal: „Gestehe ich mir zu, mich zu entspannen?“ „Ist es okay, wenn ich nur mehr einmal nachkontrolliere und früher Feierabend mache?“ „Darf ich eine Pause machen, obwohl noch ein Berg voll Arbeit da ist?“ Kommt bei solchen oder ähnlichen Fragen öfter ein „Nein“ als ein „Ja“, dann wissen Sie spätestens jetzt, dass es nicht zwingend daran liegt, dass Sie das falsche Zeitmanagement Tool verwenden, sondern dass Sie möglicherweise Gedankenmuster verankert haben, die ein gutes Zeitmanagement mit „Entspannung inklusive“ boykottieren!
Das optimale Mind Set ist dann gegeben, wenn die mentale Ebene mit meiner Verhaltensebene übereinstimmt. Merke ich hingegen, dass mein Verhalten nicht dem entspricht, was ich möchte, bzw. was mir guttut, dann könnte es notwendig sein, die aktuellen Gedankenmuster zu hinterfragen. Neue Verhaltensweisen benötigen sozusagen „meine innere Erlaubnis“.

Mentale Erlauber

Die Idee, uns selbst etwas zu erlauben, stößt im ersten Moment auf Widerstand. Doch letztendlich haben wir so viele „elterliche“ Gebote in unserem Gedankenspektrum, dass wir uns manchmal in unserem Erwachsenen-Dasein etwas neu erlauben müssen, was früher verboten war.

Typische elterliche Gebote, wären zum Beispiel:

  • „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“
  • „Nur die Harten kommen durch“
  • „Ohne Fleiß kein Preis“
  • „Gut ist nicht gut genug“

Merken Sie worauf ich hinaus will? Mit solchen oder ähnlichen Gedanken habe ich nicht mal die Idee, regelmäßige Pausen zu machen oder heute mal früher in den Abend zu starten. Denn „Es gibt ja immer was zu tun!“.

Hierfür braucht es Erlauber, die wir uns in einem Training immer wieder in Erinnerung rufen, visualisieren und begründen, warum diese Idee viel hilfreicher ist als die ursprünglichen Gebote. Ein Erlauber könnte z.B. so aussehen: „Ich darf mir regelmäßige Pausen gönnen, denn das tut mir gut und bringt mich wieder in mein Gleichgewicht.“ lauten. Oder auch „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es springen muss.“

Diese Erlauber können Ihnen helfen, dass der Thermenbesuch am Wochenende auch gelingt und Sie Ihre Zeit nachhaltig gut managen können. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ganz viel Zeit!